SPD Hohen Neuendorf

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Faire Spielregeln für Praktikanten

Veröffentlicht am 23.04.2008 in MdB und MdL

Ein Kommentar von Angelika Krüger-Leißner, MdB.
Die Generation Praktikum. Sie haben gute Studienabschlüsse, lernten
Sprachen und haben schon während des Studiums diverse Praktika und
Studentenjobs hinter sich gebracht. Sie waren sich sicher, gebraucht zu werden. Doch der direkte Einstieg ins Berufsleben blieb ihnen bisher verwehrt. Stattdessen starten sie ihren Berufseinstieg über viele schlecht oder gar nicht bezahlte Praktika.

Mit großer Sorge betrachte ich diese Entwicklung, denn Praktika können Einblicke in das Berufsleben gewähren, eine erste berufliche Orientierung geben. Zunehmend stellen Unternehmen aber Praktikanten ein, die für wenig oder gar kein Geld professionelle Arbeit leisten. Jeder fünfte der heute 18- bis 34-Jährigen hat mindestens ein Praktikum absolviert. Jedes zweite dieser Praktika nach Abschluss der beruflichen Ausbildung oder des Studiums war ohne Bezahlung. Mehr als 80 Prozent der freiwilligen Praktikanten wurden mindestens in der Hälfte ihrer Arbeitszeit wie normale Arbeitskräfte eingesetzt. Die Generation Praktikum bleibt zwischen Ausbildung und Beruf in einer langen Dauerpraktikantenschaft stecken. Sie werden nicht gebraucht, sie werden missbraucht!

Um den Missbrauch und die Ausbeutung junger Menschen beim Berufseinstieg zu verhindern, brauchen wir faire Spielregeln.
Auch ich biete immer wieder Studenten aus meinem Wahlkreis die
Möglichkeit eines Praktikums im meinem Berliner Bundestagsbüro. Für mich
als Sozialdemokratin ist es selbstverständlich, ihnen einen entsprechenden
Lohn zu zahlen und ein Zeugnis zu schreiben. Denn fest steht schon heute, dass die Praktikanten einen Rechtsanspruch darauf haben, denn ein Praktikum ist ein Vertragsverhältnis gemäß dem Berufsbildungsgesetz. Vorausgesetzt es dient dem Erwerb „beruflicher Fertigkeiten, Kenntnisse, Fähigkeiten oder berufliche Erfahrungen“.

Dennoch brauchen wir dringend eine gesetzliche Klarstellung. Die SPD
Bundestagsfraktion arbeitet derzeit an einer klaren gesetzliche Abgrenzung von Praktikums- und Arbeitsverhältnissen. Das Praktikum als solches muss klarer definiert werden. Wir wollen gesetzlich klarstellen, dass Praktikanten, die als normale Arbeitskräfte eingesetzt werden, auch die übliche Vergütung für ihre Arbeitsleistungen beanspruchen können. Wir wollen auch, dass diese Vergütungsansprüche im Streitfall leichter durchgesetzt werden können. Und wir wollen den Zwang von schriftlichen Praktikantenverträgen. Konkrete Lerninhalte und –ziele sind darin festgelegt, was zum einen die Qualität des Praktikums erhöht und zum anderen das Praktikum als Lernverhältnis verdeutlicht.

In den letzten Jahren hat es eine Entwicklung gegeben, in der es
Unternehmen leicht gemacht wurde, Arbeitsplätze durch Praktikantenstellen zu ersetzen. Die Absolventen sammeln besinnungslos Praktika, oftmals unter prekären Arbeitsbedingungen. Sie sind gefangen in dem System sich von Praktikum zu Praktikum zu hangeln, mit dem Wunsch endlich einen Job zu finden. Ihnen möchten wir endlich eine Perspektive geben, damit wir irgendwann sagen können: Sie gehört der Vergangenheit an, die Generation Praktikum.

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