Nordbahngemeinden mit Courage erinnert mit einer besonderen „Deutschstunde“ an die Autoren, deren Werke am 10. Mai 1933 auf dem Berliner Opernplatz und in 21 weiteren deutschen Städten auf Scheiterhaufen zu Asche wurden. Am Donnerstag, dem 29. Mai 2008, sind Bürgerinnen und Bürger der Kommunen Birkenwerder, Glienicke, Hohen Neuendorf und Mühlenbecker Land von 17.00 Uhr bis 21.00 Uhr in den Heidekrug Zühlsdorf eingeladen, an einer Lesung aus jenen Büchern teilzunehmen, die von den Nationalsozialisten 1933 verbrannt wurden. Jede Frau und jeder Mann kann sich an der Lesung mit einem ausgewählten Text beteiligen. Der Vortrag sollte nicht länger als 10 Minuten in Anspruch nehmen, denn die OrganisatorInnen hoffen auf große Resonanz, Courage und Lust zum Mitmachen. Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich. Die Teilnahme und der Besuch der Veranstaltung sind kostenfrei.
Die Bücherverbrennung hatte 1933 unter dem Motto „wider den undeutschen Geist“ gestanden. Die Veranstalter stellen deshalb den Abend unter das Motto „Aktion wider den unDEMOkratischen Geist – Lesen und lesen lassen“. Er hat über das Erinnern hinaus die Intension einer Demonstration für den freien, lebendigen deutschen Geist, weil für den 29. Mai 08 im Mehrzweckraum Zühlsdorf ursprünglich eine Parteiversammlung der NPD vorgesehen war, die Dank des inzwischen aufgebauten demokratischen Netzwerkes innerhalb der Nordbahngemeinden abgesagt werden konnte.
Zu den indizierten Autoren gehörten u. a. Walter Benjamin, Ernst Bloch, Bertolt Brecht, Max Brod, Otto Dix, Alfred Döblin, Albert Einstein, Lion Feuchtwanger, Marieluise Fleißer, Leonhard Frank, Sigmund Freud, Iwan Goll, George Grosz, Jaroslav Hašek, Heinrich Heine, Ödön von Horvath, Heinrich Eduard Jacob, Franz Kafka, Georg Kaiser, Erich Kästner, Alfred Kerr, Egon Erwin Kisch, Siegfried Kracauer, Karl Kraus, Theodor Lessing, Alexander Lernet-Holenia, Karl Liebknecht, Georg Lukács, Rosa Luxemburg, Heinrich Mann, Klaus Mann, Ludwig Marcuse, Karl Marx, Robert Musil, Carl von Ossietzky, Erwin Piscator, Alfred Polgar, Erich Maria Remarque, Joachim Ringelnatz, Joseph Roth, Nelly Sachs, Felix Salten, Anna Seghers, Arthur Schnitzler, Carl Sternheim, Bertha von Suttner, Ernst Toller, Kurt Tucholsky, Jakob Wassermann, Franz Werfel, Grete Weiskopf, Arnold Zweig, Stefan Zweig.
Nicht nur deutschsprachige Autoren standen auf den Listen, sondern auch André Gide, Romain Rolland, Henri Barbusse, Ernest Hemingway, Upton Sinclair, Jack London, John Dos Passos, Maxim Gorki, Isaak Babel, Vladimir Iljic Lenin, Leo Trotzki, Wladimir Majakowski, Ilja Ehrenburg.
Die Verfolgung dieser Autoren begann nicht erst mit den Bücherverbrennungen, sondern sie fand lediglich ihren Höhepunkt darin. Viele Schriftsteller, aber auch andere Künstler und Wissenschaftler erhielten in der Folge Arbeits- und Publikationsverbot, verschwanden aus den Bibliotheken und aus dem Schulunterricht und wurden auch physisch vernichtet. Sie starben im KZ, an den Folgen der Haftbedingungen oder wurden hingerichtet (wie Carl von Ossietzky und Erich Mühsam, Gertrud Kolmar und Jakob van Hoddis, Paul Kornfeld, Arno Nadel und Georg Hermann, Theodor Wolff, Adam Kuckhoff, Rudolf Hilferding), wurden ausgebürgert (wie Ernst Toller und Kurt Tucholsky), zur Flucht ins Exil gezwungen (wie Walter Mehring und Arnold Zweig) oder in die innere Emigration gedrängt, von der Erich Kästner schrieb: „Man ist ein lebender Leichnam.“ Viele verzweifelten und nahmen sich in der Emigration das Leben, so Walter Hasenclever, Ernst Weiss, Carl Einstein, Walter Benjamin, Ernst Toller, Stefan Zweig (Quelle: www.wikipedia.de)
Hinweis zum Hausrecht:
Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien und Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung treten, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.
( §6 Abs.1 VersammlG)
Angelika Stobinski
Ariane Fäscher